
Gipfeltreffen in der Karibik
London (dpa) - Mit zwei Kuhglocken in der Hand tänzelte König Charles III. auf den Straßen von Nassau. Der britische Monarch wurde zu seinem Besuch auf den Bahamas beim traditionellen Junkanoo-Festival gebührend empfangen - doch die fröhlichen Bilder wurden überlagert von einem Thema, das Großbritannien seit über zwei Jahrhunderten beschämt: Gibt es einen richtigen Umgang mit der eigenen Rolle im Sklavenhandel, der die Karibik bis heute prägt?
An diesem Dienstag wird der König beim Gipfeltreffen der Commonwealth-Staaten (Chogm) in St. John's in Antigua und Barbuda eine Rede halten, in der er mit «schonungsloser Ehrlichkeit», «aufrichtiger Trauer» und Respekt über das anhaltende Leid des transatlantischen Sklavenhandels sprechen werde, teilte der Palast mit. Formal entschuldigen wird sich Charles III. dem Vernehmen nach aber nicht - das kann er nach eigenem Verständnis auch gar nicht.
Es wäre «nicht angemessen», wenn sich der König als Oberhaupt des Commonwealth zu spezifischen politischen Fragen äußern würde, die «die Haltung der britischen Regierung betreffen», teilte der Palast mit. Und bislang hatte die Downing Street eine offizielle Entschuldigung vermieden - wohl insbesondere wegen der Sorge vor noch lauteren Forderungen nach Reparationen. Der noch relativ neue Premierminister Andy Burnham deutete aber jetzt einen Kurswechsel an.
Burnham «offen» für eine Entschuldigung
Seine Regierung biete einen strukturierten Dialog mit allen Betroffenen an, schrieb Burnham in der Zeitung «The Guardian»: «Das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates wird einen wichtigen Teil dieses Prozesses ausmachen, und ich bin dafür offen.» Die Briten seien «weltweit führend» gewesen bei der Abschaffung der Sklaverei. «Und wir können heute wieder Führungsstärke zeigen», schrieb Burnham.
Besonders im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine führende Macht im Sklavenhandel. Im Rahmen des transatlantischen Menschenhandels wurden Schätzungen zufolge zwischen 1640 und 1807 rund drei Millionen Afrikaner von englischen Schiffen in die britischen Kolonien in der Karibik, Nord- und Südamerika sowie in andere Länder transportiert. Das Ziel erreicht haben wohl nur rund 2,7 Millionen Menschen.
Verboten wurde der Sklavenhandel aus Afrika im damaligen British Empire ab dem 1. Mai 1807, die Sklaverei an sich wurde in den Kolonien erst 1834 abgeschafft. «Ich möchte mein Beileid und Bedauern über den Schmerz und das Leid so vieler Millionen zum Ausdruck bringen und anerkennen, wie dies unsere Welt bis heute prägt», schrieb Burnham, der als britischer Regierungschef ebenfalls am Commonwealth-Gipfel teilnehmen wird. Reparationen schließt der Premierminister aber wie seine Vorgängerinnen und Vorgänger aus.
Kritik aus den Reihen der britischen Opposition
Entgegen den Forderungen mehrerer karibischer Staaten sei er nicht der Meinung, dass «die Briten von heute für historisches Unrecht, so abscheulich es auch sein mag, haftbar gemacht werden können», sagte Burnham. Reparationszahlungen seien nicht «die richtige Antwort». Rückendeckung erhielt er am Sonntag von seinem Finanzminister John Healey. Die Erwägung einer formellen Entschuldigung bedeute keineswegs, dass die Briten heute die finanzielle Verantwortung für Ereignisse übernehmen sollten, die Hunderte von Jahren zurückliegen und an denen sie selbst nicht beteiligt waren, sagte der Minister der BBC.
Kritisiert wurde Burnham dagegen von der britischen Oppositionsführerin Kemi Badenoch. Sie argumentierte, schon eine Entschuldigung würde Ländern einen Grund geben, Geld von Großbritannien zu verlangen. «Sklaverei war ein Übel, an dem Menschen aus allen Kontinenten und Regionen beteiligt waren», schrieb die Chefin der Tories auf der Plattform X.
Badenoch fragte, ob karibische Staaten «dann auch von den Nachfahren afrikanischer Königreiche, Herrscher und Händler» eine Entschuldigung verlangen würden. Wenn jeder Commonwealth-Gipfel darauf hinauslaufe, dass an Großbritannien Forderungen nach Geldzahlungen gestellt würden, «dann müssen wir uns fragen, ob sich dieser Aufwand überhaupt noch lohnt», schrieb Badenoch.
Vereinzelte Proteste während der Reise des Königs
Während der vergangenen Reisetage des Königs war es in den jeweiligen Städten immer wieder vereinzelt zu Protesten gekommen. «Zahle, was Du uns schuldest», war auf einem Plakat in den Zuschauermassen der Parade in Nassau zu sehen. Auf einem Banner an einem anderen Tag stand: «Bedauern ist nicht genug. Wir brauchen eine vollständige Entschuldigung.» Zu Beginn seiner Reise hatte Charles III. in Nassau gesagt, es sei folgerichtig, «das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen».
Der Präsident von Guyana, Irfaan Ali, äußerte, Charles habe die Sklaverei als die «dunkelsten Tage der Menschheitsgeschichte» anerkannt - eine Entschuldigung wäre jedoch der nächste Schritt. Die karibische Gemeinschaft (Caricom) setzt sich seit Jahren für Reparationszahlungen ein. Die Regierungschefin von Barbados, Mia Amor Mottley, begrüßte deshalb zwar die Aussage des britischen Premiers, sie bekräftigte aber, dass über das Thema Reparationen weiter gesprochen werden müsse. «Wir sollten auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen, während wir weiterhin über unsere Unterschiede sprechen», schrieb sie in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme.

