
Brauchen wir noch Böller zu Silvester?
Böllerverbot zu Silvester - ja oder nein? Kaum ein Thema sorgt zum Jahreswechsel für so viel Diskussion wie der Umgang mit Feuerwerk. Für viele Menschen gehören Raketen und Böller fest zur Silvesternacht dazu. Andere sehen darin vor allem eine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt. Auch in Hagen wird darüber kontrovers gesprochen.
Veröffentlicht: Dienstag, 06.01.2026 15:42
Hier kommen Infos und Töne - beispielsweise von Demian Hache, dem Leiter Intensiv und Zentrale Notaufnahme im Josefshospital.
EURE MEINUNG
In Deutschland ist privates Feuerwerk grundsätzlich erlaubt, allerdings zeitlich begrenzt. Gezündet werden darf in der Regel nur am 31. Dezember und am 1. Januar. Städte und Gemeinden können zusätzlich Verbotszonen einrichten, etwa in Innenstädten, an historischen Gebäuden oder in der Nähe von Krankenhäusern und Altenheimen. Von dieser Möglichkeit machen immer mehr Kommunen Gebrauch. Ein bundesweites Böllerverbot gibt es bislang nicht.
Die Gründe für die immer wieder aufflammende Debatte sind vielfältig. Jedes Jahr melden Krankenhäuser zum Jahreswechsel eine hohe Zahl an Verletzten. Besonders häufig sind Verbrennungen an Händen und Gesicht, Augenverletzungen oder schwere Schäden durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern. Auch Rettungsdienste und Feuerwehr stehen in der Silvesternacht unter besonderer Belastung.
Neben der Sicherheit spielen Umwelt- und Tierschutz eine zentrale Rolle. Feuerwerk verursacht kurzfristig hohe Feinstaubbelastungen, die die Luftqualität deutlich verschlechtern können. Für Haustiere und Wildtiere bedeutet der Lärm oft enormen Stress, viele reagieren panisch oder fliehen. Auch der Müll auf Straßen, Plätzen und in Parks sorgt regelmäßig für Kritik.
Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die ein Böllerverbot ablehnen. Für sie ist Feuerwerk ein Ausdruck von Tradition, Freiheit und persönlicher Verantwortung. Viele argumentieren, dass nicht das Feuerwerk an sich das Problem sei, sondern der Missbrauch illegaler oder besonders gefährlicher Böller. Statt eines Verbots fordern sie strengere Kontrollen und härtere Strafen für Verstöße.
Auch politisch wird das Thema unterschiedlich bewertet. Vertreter verschiedener Parteien sprechen sich eher für Appelle an die Vernunft der Menschen aus als für ein vollständiges Verbot. Der Fokus liegt dabei auf Rücksichtnahme, maßvollem Umgang mit Feuerwerk und der Einhaltung bestehender Regeln.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass andere Länder teils deutlich strengere Wege gehen. In den Niederlanden wurde beschlossen, privates Feuerwerk ab dem Jahreswechsel 2026/27 vollständig zu verbieten. Hintergrund sind jahrelange Probleme mit Ausschreitungen, Verletzungen und Angriffen auf Einsatzkräfte. In Großbritannien ist Feuerwerk zwar erlaubt, unterliegt aber strengen zeitlichen Vorgaben und hohen Geldstrafen bei Verstößen. In Tschechien wurden die Regeln zuletzt verschärft, unter anderem mit erweiterten Verbotszonen und strengeren Kontrollen.
Andere Länder setzen zunehmend auf Alternativen. In einigen Städten Europas ersetzen organisierte Licht- oder Drohnenshows das klassische Feuerwerk. Diese sollen leiser, sicherer und umweltfreundlicher sein und trotzdem ein besonderes Silvestererlebnis bieten.
Ob ein generelles Böllerverbot auch in Deutschland kommt, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass die Diskussion intensiver wird. Zwischen Tradition, Sicherheit und Verantwortung steht die Frage, wie Silvester in Zukunft gefeiert werden soll. Fest steht: Ein friedlicher Jahreswechsel hängt nicht nur von Regeln und Gesetzen ab, sondern vor allem vom verantwortungsvollen Verhalten jedes Einzelnen.