OB-Sprechstunde

Erik Schulz - im exklusiven Interview bei Radio Hagen.

Robin Hiermer: Seit Mitte März ist Krise. Ist das eine Herausforderung bei der man sagt „da kann ich richtig was machen“…oder war es eher so, dass Du sagst „Das habe ich jetzt nicht gebraucht.“


© Ralf Schaepe

Erik Schulz: Nach der Enerviekrise vor ein paar Jahren, dann nach der Flüchtlingskrise brauchte ich in meiner ersten Amtszeit nicht unbedingt eine dritte Krise. Wir packen die Dinge an – aber andere Dinge können jetzt nicht angepackt werden. Von daher wäre ich froh, wenn wir aus der Sache bald wieder heraus kämen.

 

Robin Hiermer: Wann war Dir klar, dass das etwas richtig Gravierendes ist?

Erik Schulz: Am Abend des 13. März wurde mir klar: Eröffnung der Bahnhofshinterfahrung geht so nicht. An dem Abend war der Wendepunkt.

 

Robin Hiermer: Wie hast Du erlebt, wie die Hagener damit umgegangen sind?

Erik Schulz: Die Hagenerinnen und Hagener haben sich ganz überwiegend an die Regeln gehalten. Es gab nur einen kleinen Prozentsatz, dem man das sehr deutlich sagen und auch mit Bußgeldern verdeutlichen musste. Aber überwiegend waren die Hagener sehr diszipliniert.

 

Hörerfrage: Wie wäre es, wenn die Stadt Hagen Masken austeilen würde?

Erik Schulz: Wir haben ehrlich gesagt genug damit zu tun, die Krise zu managen. Wenn Leute ins Rathaus kommen, bekommen sie eine, aber im Grunde ist da jeder selbst in der Pflicht. Wir bauen auch auf die Selbstverantwortung der Bürger.

 

Robin Hiermer: Gibt es härtere Kontrollen für die Unbelehrbaren?

Erik Schulz: Wir haben vor allem das Interesse, den Menschen zu erklären, warum wir die Maßnahmen haben. Aber Bußgelder werden auch verhängt; an einen Imbiss der nicht nur Außer-Haus-Verkauf gemacht hat, an den Laden, der sich nicht an die Bestimmungen gehalten hat.

 

Robin Hiermer: Stehst Du eher im Team Söder? Oder im Team Laschet oder Team Merkel?

Erik Schulz: Ach, es muss einfach hilfreich sein. Politische Lagerbildung ist nicht das, was wir jetzt brauchen.


Robin Hiermer: Am Anfang war Einigkeit was die Coronamaßnahmen angeht, jetzt bricht die auf. Ist das schlecht oder gut?

Erik Schulz: Das ist schlecht. Am Anfang waren das einheitliche Regeln, und das war verständlich. Jetzt wird es schwieriger.

Robin Hiermer: Kommen Lockerungen zu früh? Das ist ja eine schwierige Gratwanderung.

 

Erik Schulz: Das ist ein schwieriger Spagat. In der Sache hat ja keiner die absolute Wahrheit. Von daher müssen wir auch abweichende Meinung zur Kenntnis nehmen – und nicht gleich verdammen. Letztlich ist es eine schwierige Gratwanderung – zum Beispiel zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und gesundheitlichen Erfordernissen.

Lockerung oder nicht - das ist ein schwieriger Spagat

© Ralf Schaepe
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Robin Hiermer: Wie ist das im Krisenmodus: Kann man als OB auch abschalten und Zerstreuung finden?

Erik Schulz: Ab und an muss man das. Ich merke das durchaus, dass das Abschalten abends schwieriger geworden ist, und das Durchschlafen auch. In dem Job gibt es immer Herausforderungen, aber ab und an macht man sich auch mal Sorgen. Dann braucht man einen Ausgleich. Den gibt es im Wald und beim Joggen, und das mache ich auch.


Robin Hiermer: Was bedeutet die Krise für Hagens Wirtschaft und Finanzen, kann sie unsere Sparerfolge zunichte machen?

Erik Schulz: Ich denke, es war auf jeden Fall richtig, in den letzten Jahren zu sparen und den Haushalt zu konsolidieren. Es ist ja auch erfolgreich. Wir haben zwei Jahre einen ausgeglichenen Haushalt gehabt.

Dass wir jetzt Ausgaben haben, deren Höhe wir noch nicht absehen können, ist auch klar. Einnahmeausfälle bei Steuern – und auf der anderen Seiten steigende Kosten.

Ich glaube aber, dass wir mit dem Land zusammen auf einem guten Weg sind. Wir werden die Kosten von Corona im Haushalt gesondert ausweisen. Dafür braucht es etwas Haushaltsarithmetik, aber ich denke, da sind wir aber auf einem guten Weg. Wir werden nachher auch den Konsolidierungsweg weiter – nur ist das im Moment nicht die Botschaft. Wir geben im Moment an ganz, ganz vielen Stellen zusätzliches Geld aus und nehmen dramatisch weniger ein. Und ich glaube das ist auch der Situation angemessen.

Robin Hiermer: Hatten die Schulen, Eltern und Kinder  genug Zeit, sich auf die Öffnung vorzubereiten?

Erik Schulz: Das war ja eine Entscheidung der Landesregierung. Es ist in Hagen ganz gut gelaufen. Das aber vor allem deshalb, weil da ganz viel Engagement von Schulen und Lehrern darin steckt.

 

Hörerfrage: Hat die Stadt schon eine Vorstellung, wie die Einschulung laufen kann?

Erik Schulz: Wir können das noch nicht wirklich sagen, wie das nach den Ferien aussehen wird. Vielleicht muss man da auch in Richtung Digitalisierung denken. Aber ich hoffe und wünsche mir schon, dass die Erstklässler eine Einschulung erleben, an die sie sich nachher auch gerne erinnern.

 

Robin Hiermer: Was ist mit der Kommunalwahl, findet die statt?

Erik Schulz: Im Moment gehen wir davon aus, dass der Termin gehalten werden kann. Sollte die Situation länger anhalten, wird es aber schwierig. Nur: Die Wahl zu verschieben ist auch schwierig.

 

Robin Hiemer: Wahlkampf ist aber in Coronazeiten schwer?

Erik Schulz: Das ist so. Aber ehrlich; dafür habe ich im Moment keinen Kopf.

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