So fühlt man sich als Phishingopfer

Wir haben Betrugsversuche über Telefon oder Computer regelmäßig als Thema in unseren Nachrichten. Mit zig Tricks versuchen es Betrüger - und sie haben oft genug Erfolg. Auch bei einem Paar in Hagen. Alpay Kusku und Nicole Kusku-Baumgart haben uns erzählt, dass die Wochen nach dem erfolgreichen Betrug eine Hölle sind - und wie sie da einigermaßen wieder herauskommen.

© Ralf Schaepe

Eine sms kam, dann später ein Anruf. Er wäre der Vertreter seiner Sachbearbeiterin bei der Bank, sagte der Anrufer zu Alpay Kusku. "Der war wie ein Bankkaufmann. Der kannte den Namen der Sachbearbeiterin und hat mich überrumpelt. Der hat mich dazu gebracht, Sachen herauszugeben, die ich nicht hätte herausgeben sollen".


Der Anrufer hatte nun die nötigen Daten, um auf das Bankkonto zuzugreifen - und nutzte sie.

Nicole Kusku-Baumgart: "Man guckt ja nicht ständig auf sein Bankkonto. Wir haben 24 Stunden später gemerkt, dass die Rücklastschriften kamen. Dann haben wir die Karte gesperrt."


In dieser relativ kurzen Zeit waren aber schon haufenweise Buchungen angefallen. Nicole und Alpay zeigen mir ihre Kontoauszüge: rund 9 Seiten - voller Abbuchungen, teilweise im Minutentakt. Das summierte sich auf 15 500 Euro.

Die Betrüger hatten nicht nur Guthaben abgebucht, sondern auch den Dispo ausgereizt und Lastschriften und Daueraufträge zurückgebucht - zum Beispiel die schon bezahlte Miete. Damit waren die beiden eh sie es sich versahen zwei Monatsmieten im Rückstand. Was folgte, war die Hölle: Der Vermieter kündigte ihnen fristlos. Unternehmen verlangten ihr Geld nach den Rücklastschriften, sie waren pleite.

"Man fühlt sich total hilflos..."

"Man kommt sich total hilflos vor und einfach ohnmächtig.... einfach ohnmächtig", erzählt Kusku-Baumgart. "Man steht am Abgrund, man weiß nicht mehr, was man tun soll, man hat keinen Pfennig Geld auf der Tasche. Die Wohnung wurde gekündigt - man weiß einfach nicht mehr, wo man hingehen soll."


Die Verbraucherzentrale war nett, aber deren Rechtsanwältin mit solchen Fällen völlig überlastet. Die Polizei signalisierte, dass man da eh nichts tun könne. Sie fragten sich: Wieso gibt es keinen Alarm bei der kontoführenden Stelle? Über 4000 Euro für Aldi weggebucht. Mehrere Buchungen hintereinander bei einem Discounter innerhalb weniger Minuten, das ist praktisch kaum möglich.


Jeden Tag kamen Mahnungen, nirgendwo gab es Hilfe. Oder doch: Freunde und Kollegen halfen.


"Die haben alle hinter mir gestanden. Jeder hat mir Geld angeboten. Sie boten etwas zu essen an, sie boten an, für mich einzukaufen. Und weil ich das Geld nicht angenommen habe, haben meine Arbeitskollegen für mich gesammelt und einen Einkaufsgutschein geschenkt - was mir total unangenehm ist."

Man kommt wieder raus - aber zäh und mit Schaden

© Ralf Schaepe
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Die Sparkasse gab den beiden schließlich einen Kredit - damit ist für sie Land in Sicht. Der Vermieter nahm die Kündigung zurück. Aber für den Verlust von rund 16 000 Euro kommt keiner auf, obendrauf kommen Mahngebühren, die sich ordentlich summieren - und der Kredit muss auch mit Zinsen zurückgezahlt werden. Die Betrüger sind nicht greifbar. Nicole und Alpay müssen sich da irgendwie rausplacken. Was sie unbedingt möchten ist, andere zu warnen. Es gibt ein relativ einfaches Mittel, wenn irgendwelche Mails oder SMS kommen, die etwas mit dem eigenen Konto zu tun haben. Das Mittel ist sehr analog:

"Niemals irgendwo klicken. Einfach zur Bank gehen, wenn so eine Nachricht kommt und dort nachfragen, was daran ist. Sprecht vor Ort mit der Bank."

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