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Wastewatcher: Sonderkontrollen
© Ralf Schaepe
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Wastewatcher: Sonderkontrollen

Mit den Hagener Wastewatchern auf Streife


Seit dem vergangenen Mittwoch machen sich die Hagener Wastewatcher nächtens auf die Suche nach denen, die illegal Müll in der Stadt ablagern.

Ralf Schaepe ist am Freitag mitgefahren.

Veröffentlicht: Montag, 24.11.2025 17:50

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Es ist kurz vor 23:00 Uhr. Seit gut vier Stunden sind die Wastewatcher jetzt unterwegs. Jetzt wäre die abgesprochene Kaffeepause in der Fuhrparkstraße fällig. 15 Leute in fünf Zivilstreifen der Wastewatcher freuen sich schon darauf.

Mit einem Funkspruch wird es dann aber kribbelig: Ein Team zwischen Bahnhof und Bodelschwinghplatz fordert Unterstützung an, und kann auch erst einmal keine Details liefern. Jens am Funk koordiniert das: Wo sind die Kollegen vom Ordnungsamt? Gerade eingerückt. „Wir brauchen zehn Minuten um dort zu sein“, funken die zurück. Jens antwortet: „Wäre nicht schlimm, wenn es nur fünf Minuten wären“. Dummerweise haben die Wastewatcher keine Sonderrechte und kein Martinshorn. Sie müssen sich an die Verkehrsregeln halten.

 

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Wastewatcher: Sonderkontrollen
© Ralf Schaepe
Start in die Einsatznacht. Wastewatcher und Ordnungsamt bilden insgesamt 5 Teams in Zivilautos.
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Ein paar Stunden vorher: Draußen ist es klirrend kalt. Um 18:00 Uhr ist Treffen in der warmen Butze beim Hagener Entsorgungsbetrieb in der Fuhrparkstraße. Die Atmosphäre: kumpelhaft im Ton und nüchtern in der Sache tauschen sich die Männer und Frauen der Wastewatcher aus.

 

Jens hat die Liste fertig, wer mit wem patroulliert. Altenhagen, erweiterte Bahnhofsgegend, Eilpe, Haspe und die Bredelle stehen auf dem Programm.

 

Die Wastewatcher bereiten sich auf ihren Sondereinsatz vor. Mit Zivilfahrzeugen geht es darum, Müllsünder aufzuspüren.

Das geht so: Man fährt Hotspots an, an denen öfter illegal Müll abgeladen wird. Erfahrungsgemäß kommt da, wo eine Couch steht, gerne noch ein Kühlschrank dazu. Außerdem wird immer wieder an Containerstellplätzen Müll abgelagert. Die Teams fahren hin und gucken, fahren ums Viereck und gucken wieder.

Nach etwa einer Stunde wechseln sie die Quartiere, damit nicht immer das selbe Auto die Gegend durchstreift. Wo besonders oft Müll abgelagert wird, stellen die Teams sich auch im Auto hin und observieren den Platz.

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© Ralf Schaepe
Manchmal sind "Couchwochen", manchmal "Waschmaschinenwochen". Diese Couch steht in Altenhagen. Um die Ecke ein Reifenstapel, und ganz in der Nähe eine Waschmaschine.
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Ich bin mit Malte vom HEB, Einsatzleiter Jens und Manuel vom Ordnungsamt in einem Auto. Die Chemie zwischen Reporter und Wastewatchern stimmte schon bei der Teambesprechung, und so sind wir schnell beim „Du“.

 

Malte ist ein erfahrener Wastewatcher, hat die Ruhe weg und kennt in den Quartieren jede Ecke. Vor allem die vermüllten. Manuel ist ein wichtiger Mann an Bord: Als Mitarbeiter des Ordnungsamtes darf er die Personalien aufnehmen, wenn man jemanden erwischt. Einsatzleiter Jens vom HEB sitzt auf dem Beifahrersitz und erzählt: „Früher hatten wir keinen vom Ordnungsamt dabei, das hieß: Wir konnten nur dokumentieren. Wenn jemand mit dem Auto vorfuhr und Müll ablud, konnte man den nachher über das Kennzeichen ermitteln. Aber wenn jemand mit einem Müllsack zu Fuß kam, mussten wir den ziehen lassen.“

Jetzt kommen auch Fußgänger mit Müll nicht mehr davon.

 

In Altenhagen finden wir um die Alleestraße herum eine abgestellte Couch. Ein wenig weiter stapeln sich ausgediente Reifen, und noch einmal um die Ecke steht ein Kühlschrank mit einem Pappkarton daneben.

Ganz in der Nähe der abgestellten Couch trägt eine Frau einen Kleiderständer durch die Straße – spätabends in der Kälte. Und dann verschwindet sie. Malte und Manuel vermuten: Entweder war sie mit dem Kleiderständer spazieren, oder aber, ihr ist das Auto mit vier Männern darin aufgefallen, und sie wollte lieber vorsichtig sein.


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Die Kartonagen gehören zum Kiosk um die Ecke. Der Besitzer will sie wegräumen - das wird kontrolliert.
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An manchen Tagen finden die Wastewatcher dreieinhalb bis vier Tonnen Müll. Normalerweise sind die Teams mit einem kleinen Lieferwagen unterwegs, um Müll direkt mitzunehmen. Bei diesem Sondereinsatz in Zivilfahrzeugen werden die Plätze notiert, der Müll wird einen Tag später abgeholt.

 

In Wehringhausen stehen Kartonagen an einer Hausecke. Eine Anwohnerin hatte das über den Mängelmelder gemeldet. Wer sie abgestellt hat, ist schnell ausgemacht; der Kioskbesitzer nebenan sagt, er habe die Pakete rausgestellt, weil er am Renovieren sei. Man einigt sich darauf, dass die Pakete bis Montag weg sein müssen.

Illegale Müllentsorgung ist teuer: Schon für eine Zigarettenkippe können 100 Euro fällig werden – plus Gebühren. Bei Sperrmüll sind es 400 Euro – und dann kommen noch die Kosten für die Entsorgung dazu.

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Einsatzleiter Jens vom HEB: In der Nachtschichtpause kontrolliert er, wie viele Meldungen durch den Mängelmelder hereingekommen sind. Es sind gut ein Dutzend.
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 Jens wundert sich: Elektroschrott etwa kann man an der Müllverbrennungsanlage umsonst entsorgen. Und er hat festgestellt, dass es Serien gibt: „Manchmal haben wir Couchwochen, dann Kühlschrankwochen, und dann E-Schrottwochen.“

 

Unsere Streife fährt noch zur Bredelle, dann nach Haspe und dann noch mal nach Altenhagen.

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Bitte um Unterstützung: Auf den Funkruf eines Teams kommt das Ordnungsamt, zeigt Präsenz - und es darf Personalien aufnehmen. Macht es auch.
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Dann ist es kurz vor 23:00 Uhr, und es kommt der Funkruf mit der Bitte um Unterstützung. So wenig, wie man jetzt weiß, könnte es eilig sein: Vielleicht ist das Team in Bedrängnis. Das kommt vor. Manchmal werden erwischte Müllverklapper pampig.

 

Als wir zwischen Bodelschwingplatz und Bahnunterführung ankommen, stehen dort etliche Leute vom Ordnungsamt, dazu die anderen HEB-Teams, die Ihre Leute nicht alleine lassen wollten.

Die Sachlage: Eine Familie hat in einem ehemaligen Imbiss Wohnung bezogen, und die dort vorhandenen Dekoelemente abgenommen und auf die Straße gestellt.

Dramatisch ist es dann doch nicht. Im Inneren sind drei Frauen. Eine sagt, Ihr Mann kommt sofort und regelt das. Der Mann kommt und mault, dass er erwischt worden ist, während andere nicht erwischt werden. Angesichts des Aufgebotes an uniformierten Ordnungskräften entscheidet er sich aber am Ende dazu, konziliant zu sein. Manuel und die anderen Leute vom Ordnungsamt sind im Auftreten ruhig und höflich – aber auch fest und selbstsicher. Ihre Präsenz wirkt. Der Mann versichert, dass der Müll morgen weg ist. Bezahlen muss er trotzdem. „Wenn wir den nicht erwischt hätten, hätte am Ende der Gebührenzahler die Kosten der Entsorgung gezahlt“, sagt Jens.

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© Ralf Schaepe
Ein Imbiss wird zur Wohnung - und die Dekoelemente werden kurzerhand vor die Tür gestellt.
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Nachdem die Situation bereinigt ist, wird es Zeit für die verschobene Pause. In Jens Büro pöttgert die Kaffeemaschine. Er zeigt auf seinen Computer und die neuen Nachrichten des Mängelmelders – eingetroffen in den letzten Stunden: Ungefähr ein Dutzend neue Fälle für die Wastewatcher ploppen auf.

Besonders stolz ist Jens auf sein System namens Neos: Kameras auf den Müllautos erfassen per KI jede Müllecke und melden die mit GPS-Daten an die Zentrale. Und die Zentrale ist Jens.

 

Nach der Kaffeepause geht es weiter – bis drei Uhr früh geht die Schicht.

Zwei Tage später schickt Jens mir die Bilanz des Wochenendes: Kartonagen, volle Tüten mit allem möglichen Zeugs und Müllsäcke. 11 Anzeigen wurden insgesamt geschrieben. Der Mann, der mit seiner Familie im ehemaligen Imbiss wohnt, hat sein Wort gehalten: Die Dekoelemente sind weg.

 

Am Sonntagabend wurde es noch einmal heftiger: Ein Team erwischte einen Mann am Graf-von-Galen-Ring, der mehrere Müllsäcke an der Straße ablegen wollte. Der Mann wurde so renitent, dass die Polizei dazu gerufen wurde.

 

Die Wastewatcherbranche scheint Zukunft zu haben.

Ralf Schaepe


Hier unten gibt es noch den dazu gehörenden Radiobeitrag zum Anhören und Herunterladen:

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Ralf SchaepeMit den Wastewatchern unterwegs
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