Schulstart in NRW - Wie sich Eltern und Kinder auf die Einschulung vorbereiten können

Die Schulferien in NRW neigen sich dem Ende zu: Nächste Woche (07.08.) beginnt das neue Schuljahr. Am aufregendsten wird es für die Kleinsten in NRW – die Erstklässler. Damit diese Umstellung für die Kinder möglichst stressfrei wird, können sie die Eltern mit ein paar pädagogische Hilfestellungen dabei unterstützen.

Tipps rund um die Einschulung

Die Einschulung zählt mit zu den wichtigsten Ereignissen in der Kindheit und stellt für Eltern und Kinder gleichermaßen eine Herausforderung dar. Zwar endet mit dem Eintritt in das Schulleben nicht die Kindheit, doch werden an die Kleinen von heute auf morgen größere Anforderungen gestellt, sagt auch Diplom-Pädagogin Uta Reimann-Höhn im Interview mit uns. Sie ist Lerntherapeutin, arbeitet mit Kindern und Eltern zusammen und betreibt unter anderem einen YouTube-Kanal mit Lerntipps. Doch auch für Eltern hat sie ein paar wertvolle Ratschläge, die den Kids beim Schulstart helfen können.

Gemeinsam Routinen üben

Früh aufstehen, Mittag essen, Hausaufgaben machen, eventuell auf den Mittagsschlaf verzichten – die Schulzeit bringt neue Routinen mit sich und verändert die Tagesstrukturen von Kindern. Diese neuen Abläufe können laut Uta Reimann-Höhn vor dem Schulbeginn gemeinsam geübt werden. Zum Beispiel indem der Wecker früher gestellt wird und alle gemeinsam aufstehen.

"Einfach damit das Kind ein Gefühl dafür bekommt, was auf uns zukommt und dass das eben auch regelmäßig so ist."

I-Dötzchen spielend auf Leistungsanforderungen vorbereiten

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, auf die es in der Schule ankommt, ist die Konzentrationsfähigkeit. Laut der Lerntherapeutin sei ein Kind, dass sich nicht konzentrieren und deswegen nicht zuhören könnte, gefährdet ein Lerndefizit zu entwickeln.

"Die Konzentrationsfähigkeit kann man wunderbar durch Spiele im Vorfeld üben."

Dem kann man vorbeugen, indem man Spieleinheiten zuhause beginnt immer weiter auszudehnen, bis beispielsweise die Läng einer Unterrichtseinheit, also 45 Minuten, erreicht sind. Die Eltern sollten dabei beobachten, ob das Kind schnell die Lust verliert und versuchen dagegenzusteuern. Diese Konzentrationsübungen sollten jedoch nicht zu verkrampft sondern spielerisch angegangen werden. Eltern sollten im besten Fall Impulse vom Kind aufgreifen und wahrnehmen, wenn das Kind ein bestimmtes Lerninteresse zeigt. Als Beispiel nennt sie das Sammeln und Zählen von Muscheln am Strand im Familienurlaub anstatt des stumpfen Zählens von eins bis zehn.

Keine unrealistischen Erwartungen schüren

Uta Reimann-Höhn nimmt in den letzten Jahren Tendenzen rundum die Einschulung wahr, die sie eher kritisch betrachtet. Beispielsweise mutierten Einschulungen ihrer Beobachtung zufolge oft zu großen Familienfeiern, mit vielen Geschenken, neuen Klamotten und großer Aufregung. Die Diplom-Pädagogin ist zwar der Meinung, dass der neue Lebensabschnitt gebührend gewürdigt werden sollte, aber eben nicht den Blick darauf verstellen sollte, was da auf die Kinder zukommt:

"Die Kinder starten ganz erwartungsvoll in die Schule und denken jetzt passiert was ganz großartiges, ich lerne Lesen, Rechnen und Schreiben, kriege viele neue Freunde, das wird alles ganz super – und dann sind sie mit einer ganzen Menge neuer Anforderungen konfrontiert, die sie ja erstmal verarbeiten müssen, und das ist oft eine große Kluft zwischen der Erwartungshaltung und der Realität und ich finde die Eltern sollten aufpassen, dass sie die Erwartungshaltung nicht zu hoch steigern."

Die Kompetenz bei den Lehrern lassen

Ebenfalls problematisch findet sie, dass viele Eltern den Lehrerinnen und Lehrern und deren Art zu unterrichten sehr negativ gegenüberstehen, vor allem wenn das eigene Kind in ihren Augen nicht genügend Aufmerksamkeit im Klassengefüge zukommt. Zu Beginn des ersten Schuljahrs ist es aber besonders wichtig für das Kind zu lernen, dass es in einer Gruppe von 25 Kindern nicht immer die eigenen Interessen durchsetzen kann und die Lehrenden zum Beispiel darüber entscheiden, wer jetzt sprechen darf.

"Da muss auch jeder mal zurückstecken können und da müssen auch Eltern mal sehen: ok die Lehrerinnen machen das so, das ist deren Kompetenz, die pfuschen mir ja auch nicht in meinen Job rein."

Positiv und flexibel bleiben

Vor allem gilt: die negativen Einstellungen, Sorgen und möglichen Frust nicht auf die Kinder übertragen. Wenn die eigenen Vorbilder eine negative Einstellung der Schule gegenüber haben, ist es für das Kind umso schwerer positiv in die Schulzeit zu starten. Laut Uta Reimann-Höhn sollten Eltern vor der Einschulung vor allem eins tun: sich so gut wie möglich entspannen:

"Das ist jetzt erst mal der Start in die Schule […] man wird wahrscheinlich viele Probleme meistern müssen und sich sehr oft umstellen müssen, auf das was das Kind in der Schule leistet oder eben nicht leistet. Einfach mal kucken, wie sich das entwickelt und immer situativ darauf eingehen, was gerade passiert."
© RADIO NRW

Autorin: Roschan Häßlin

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